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Elternkompass

So viele Gefühle! Warum alle für das Großwerden wichtig sind

Für Heldenstücke stellt der Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge die wichtigsten Thesen seines mit Anselm Grün verfassten Buch „So große Gefühle!“ zusammen. Mehr Buchtipps zum Thema Gefühle findet ihr auch hier.

 

Rogge - So große Gefühle
Jan-Uwe Rogge (Foto: Nancy Ebert)

 

Kinder erleben Gefühle von Anfang an.

Bewertet man Kinder – ob in Entwicklungsgutachten oder Zeugnissen – legt man das Augenmerk oft auf die kognitiven oder sprachlichen Kompetenzen. Doch sind das nur Anteile, wenn auch gewichtige, die die Persönlichkeit von Kindern ausmachen. Kinder wollen sich aber als ganze Person angenommen fühlen. Dazu gehören Gefühle, die Kinder er- und durchleben – also nicht allein Glück und Freude, sondern genauso Traurigsein und Verzweiflung, Wut und Zorn.

 

Kinder wollen sich in ihren Gefühlen angenommen wissen.

Wenn Kinder Ängste zeigen, dann wollen sie keine Beschwichtigung: „Du brauchst doch keine Angst zu haben!“ Wenn sie wütend sind, dann wollen sie keine drohenden Worte: „Muss ich schon wieder schimpfen?“ Wenn Kinder Gefühle zeigen, dann brauchen sie Nähe und Sicherheit, das Urvertrauen, da gibt es jemanden, der*die mich hält. Und sie brauchen die Gewissheit: Ich bin okay!

 

Eine Entwicklung ohne Aggression bedeutet Stillstand.

Aggression – aus dem Lateinischen a-gredere – heißt für das Kind: Ich mache mich auf den Weg! Ich packe etwas an! Ich traue mir etwas zu! Wer aggressive Emotionen bei Kindern unterdrückt, sie ihnen austreibt, legt Entwicklungsprozesse still. Es kommt vielmehr darauf an, die konstruktiven Teile der Aggression – die Neugierde, den Forschungsdrang, den Gestaltungswillen – zu fördern und ihre zerstörerischen Elemente – Gewalt gegen andere und sich selbst – zu begrenzen. Eine Begleitung zum Umgang mit allen Ausdrucksformen der Aggression ist eine immerwährende Erziehungsaufgabe.

 

Ängste gehören zum Leben.

Mit jedem Entwicklungsschritt, den Kinder machen, bilden sich Ängste heraus: die Angst vor Verlust der körperlichen Nähe, vor Trennungen, vor Vernichtungen. Es gibt eben kein Leben ohne Angst! Und mit jeder Angst, die entsteht, verarbeitet ein Kind seine Ängste: Es sucht Nähe und Geborgenheit, es findet Sicherheit in Ritualen, es glaubt an Schutzengel. Man kann Kinder nicht vor Ängsten schützen, weil sie das unselbständig macht, man kann sie aber in der Verarbeitung von Ängsten begleiten und unterstützen, weil diese Haltung stark macht.

 

Auf die Haltung kommt es an.

Leben vollzieht sich in Übergängen – von Anfang an, Übergänge sind notwendig, aber sie sind mit starken Gefühlen verbunden. Kinder brauchen dabei Begleitung, die fünf Momente beinhaltet:

  1. vom Kind aus denken
  2. die Persönlichkeit des Kindes bedingungslos akzeptieren
  3. Mitgefühl stärkt, Mitleid schwächt
  4. Rituale entwickeln, auf die das Kind vertrauen kann
  5. Geduld und Gelassenheit, Zuversicht und Vertrauen entwickeln

 

Mehr zum Buch „So große Gefühle“

Familybloggerin Alu stellt in einer große Rezension auf grossekoepfe.de vier neue Elternratgeber vor und empfiehlt auch „So große Gefühle“ – ihr Fazit: „ein sensibles Buch, das Familien und Kinder stärken möchte. Dazu kommt eine gute Mischung aus Beispielen und Erklärungen gepaart mit einem ansprechenden Layout und etlichen starken Fotos.“

 

So große Gefühle! Kinder durch Freude, Zorn und Traurigkeit begleiten
Jan-Uwe Rogge/Anselm Grün
ISBN 978-3-8338-7309-6
Graefe und Unzer
19,99 € (D)/20,60 € (A)

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